|
1 Patient - 5 Homöopathen - 10 verschiedene Verschreibungen?
Die traditionelle Arbeit eines Homöopathen könnte man mit der eines Naturforschers vergleichen, der ein unkenntliches Stück Bodensediment in Händen hält und aufgrund winzigster Unregelmäßigkeiten zu erraten versucht, ob es sich einmal um eine Biene, einen bestimmten Baum oder Basalt gehandelt hat.
Schon sehr früh hat Konstantin Hering eine entscheidende Crux der herkömmlichen homöopathischen Methodik erkannt und in einem Vergleich mit den Naturwissenschaften prägnant formuliert: „Bei dem jetzigen Stande der Naturwissenschaften kann (anders als in der Homöopathie) alles nach den Verwandtschaften überblickt ... das Allgemeine der verschiedenen Klassen und Familien gelehrt werden....Das Studium wird dadurch außerordentlich erleichtert. Allein da wir die Materia Medica noch nicht so ausgebildet haben ..., so müssen wir diesen erleichternden Überblick wohl entbehren.
Heute, etwa 150 Jahre später, haben bahnbrechende neue Entwicklungen die Mittelfindung revolutioniert. Folgende Mosaiksteine beginnen sich zu der von Hering herbeigesehnten einheitlichen Systematik zusammenzufügen:
Seitenanfang
Die Systematisierung der Reiche
Scholten war der erste, der eine faszinierende homöopathische Ordnung in einem ganzen Arzneimittelreich, nämlich den Mineralien erkannte. Sankaran gelang später eine erste Teilordnung des Pflanzenreiches.
Seitenanfang
Die Systematisierung der Anamnese Der Weg zur quellenorientierten Verschreibung
Die Erkenntnis der frühen Homöopathen, dass die Gemüts- und die Allgemeinsymptome besonders wichtig sind, hat in den letzten 30 Jahren u.a. durch die Arbeiten von Scholten, Vithoulkas, Jürgen Becker, Sankaran, Jayesh Shah und Divya Chabra neuen Autrieb erfahren.
Allein die Schwierigkeit bleibt: die Gemütssymptome sind vielfältig und noch immer kann man sich im Gewirr der Erzählstränge eines Patienten verirren. So wie einzelne ausgewählte Rubriken das Gewicht des Falles in eine Richtung “verkippen” können, so kann auch die Wahnidee oder "Delusion" eines Patienten einen Behandler in die Irre zu führen ( „delusionieren“), und eine charakteristische Empfindung oder „sensation“, kann den Therapeuten zu voreiligen Verschreibungen verleiten.
Im Institut für Systematische Homöopathie hat Irene Schlingensiepen daher die empirische Forschung fortgesetzt und weitere Ebenen der Anamnese systematisch ausgeleuchtet: Es gibt offenbar 2 Ebenen am Anfang und am Ende der Anamnese, die zur höchsten Verschreibungsgenauigkeit führen. Zum einen die eher materielle Ebene des Symptoms, die Hauptbeschwerde. Zum anderen die immaterielle Informationsebene der Quelle, die exakt ausdrückt, durch welches einzigartige Mittel wir Heilung finden und gleichzeitig verdeutlicht, wo unser besonderes Potential liegt, was uns ausmacht und wer wir sind.
Seitenanfang
|